Frau besprüht Zimmerpflanze zur natürlichen Schädlingsbekämpfung

Natürliche Schädlingsbekämpfung: So setzt du Nützlinge und Hausmittel richtig ein

Schädlinge an Zimmerpflanzen sind lästig, aber leider keine Seltenheit. Plötzlich kleben die Blätter, zeigen helle Punkte oder die Pflanze wirkt insgesamt geschwächt.  Der erste Impuls ist oft, sofort zu starken, chemischen Pflanzen­schutz­mitteln zu greifen. Doch das ist nicht immer nötig. Es gibt auch wirksame und zugleich schonende Alternativen zur natürlichen Schädlings­bekämpfung bei Zimmerpflanzen. Sogenannte Nützlinge und auch verschiedene Haus­mittel können ebenfalls dabei helfen, Schädlinge effektiv eindämmen, ohne dabei Pflanzen, Menschen oder Umwelt unnötig zu belasten. 

Was versteht man unter natürlicher Schädlings­bekämpfung?

Unter natürlicher Schädlings­bekämpfung versteht man Methoden, bei denen Schädlinge ohne chemisch-synthetische Pflanzen­­schutz­­mittel bekämpft oder in Schach gehalten werden. Statt zur „Chemiekeule“ zu greifen, nutzt man natürliche Mechanismen, um das Gleichgewicht zwischen Pflanze und Umwelt wiederherzustellen. Neben der mechanischen Ent­fernung von Schädlingen, zum Beispiel durch das Abwischen der Blätter, das Abbrausen der Pflanzen unter der Dusche oder das gezielte Entfernen stark befallener Pflanzenteile, gibt es zwei haupt­sächliche Maßnahmen der natürlichen Schädlings­bekämpfung bei Zimmer­pflanzen:

  • Nützlinge: Natürliche Feinde der Schädlinge, die diese fressen oder ihre Vermehrung eindämmen
  • Hausmittel: Verschiedene pflanzen­schonende Mittel, die Schädlinge bekämpfen oder vertreiben können

Nützlinge gegen Schädlinge

Nützlinge sind lebende Tiere, die als natürliche Feinde von Schädlingen wirken. Sie fressen diese oder hemmen ihre Vermehrung und sorgen so auf natürliche Weise für eine deutliche Reduktion des Befalls. Nützlinge können sowohl bei einem akuten Schädlings­befall als auch präventiv eingesetzt werden, um einem erneuten Auftreten vorzubeugen.

Häufig eingesetzte Nützlinge

Welche Nützlinge zur Schädlings­bekämpfung geeignet sind, hängt immer von der Art der Schädlinge und dem Ausmaß des Befalls ab. Daher ist es wichtig, den Befall möglichst genau zu bestimmen. Nur so lassen sich die Nützlinge gezielt und erfolg­reich einsetzen. Häufig genutzte Nützlinge sind zum Beispiel:

  • SF Nematoden: Bekämpfen im Substrat lebende Schädlinge wie Trauer­mücken­larven
  • Raubmilben: Wirksam gegen Spinnmilben und Thripse
  • Marienkäferlarven: Sehr effektiv gegen Blattläuse
  • Florfliegenlarven: Fressen vor allem Blattläuse, Thripse und Schmierläuse an Blättern und Trieben
  • Schlupfwespen: Gegen Weiße Fliegen, Blattläuse und Schmierläuse

Die richtige Anwendung von Nützlingen

Hand an rankender Pflanze

Damit Nützlinge Schädlinge wirksam reduzieren können, ist die richtige Anwendung entscheidend. Nützlinge können einfach online bestellt werden. Da es sich um lebende Organismen handelt, sollten sie direkt nach Erhalt eingesetzt werden. 

Wie die Anwendung genau erfolgt, hängt vom jeweiligen Nützling ab. Nematoden werden mit Wasser vermischt und anschließend über das Gieß­wasser ins Substrat eingebracht. Sie bewegen sich im Boden, bekämpfen dort die Schädlinge und sterben anschließend von selbst ab, sobald keine Nahrung mehr vorhanden ist. Raubmilben, Florfliegen- oder Marien­käfer­larvenwerden entweder direkt auf die Pflanze gestreut, auf Blätter gesetzt oder über spezielle Träger­materialien (z. B. Pappstreifen oder Beutel) angebracht. Von dort aus suchen sie aktiv nach Schädlingen. Je nach Befalls­stärke kann eine mehrmalige Anwendung notwendig sein. 

Wichtig bei der Anwendung von Nützlingen ist außerdem, die Umgebungs­temperatur und Luft­feuchtigkeit an die jeweiligen Bedürfnisse der Nützlinge anzupassen. Nur unter passenden Bedingungen können sie aktiv werden und die Schädlinge wirksam bekämpfen. Während dieser Zeit sollten keine chemischen Pflanzen­schutz­mittel verwendet werden, da diese nicht nur Schädlinge, sondern auch die Nützlinge schädigen oder abtöten können. Zudem ist es ratsam, die Pflanzen in den Tagen nach der Ausbringung nicht abzu­duschen, damit sich die Nützlinge ungestört auf der Pflanze oder im Substrat etablieren und ihre Wirkung entfalten können.

Und keine Sorge: Durch den Einsatz von Nützlingen ersetzt man die Schädlinge nicht einfach durch andere Tiere. Die Nützlinge vermehren sich nicht unkontrolliert und bleiben nicht dauerhaft in der Wohnung. Sobald die Schädlinge verschwunden sind, fehlt ihnen die Nahrungs­grundlage und die Nützlinge sterben ab oder verschwinden von selbst.

Hausmittel gegen Schädlinge

Eine weitere Möglichkeit zur natürlichen Schädlings­bekämpfung bei Zimmer­pflanzen ist der Einsatz von Hausmitteln. Viele davon haben sich seit Langem bewährt und lassen sich einfach selbst herstellen. Meist handelt es sich um Sprüh­mischungen, die gegen verschiedene Schädlinge wirken, indem sie deren Schutz­schicht angreifen, die Atmung behindern oder sie von der Pflanze fernhalten. Diese Mischungen sollten in regelmäßigen Abständen auf die befallene Pflanze gesprüht werden. Dabei ist es wichtig, die Pflanze von allen Seiten zu behandeln, insbesondere auch die Blatt­unterseiten, da sich dort Schädlinge besonders häufig aufhalten.

Seifenlauge

Eine milde Seifenlösung eignet sich gut gegen Blattläuse, Schmierläuse und Thripse.
Mische dazu etwa 1 Liter Wasser mit einem kleinen Schuss Schmierseife oder Kernseife, am besten ohne Duftstoffe. Die Seife löst die schützende Wachsschicht der Schädlinge, wodurch diese austrocknen und absterben. Sprühe die Seifenmischung etwa alle drei bis fünf tage auf die befallene Pflanze, bis kein Schädlingsbefall mehr sichtbar ist.

Öl-Mischungen

Ölhaltige Mischungen wirken, indem sie die Atemöffnungen der Schädlinge verschließen. Mische dazu etwa 1 Liter Wasser mit 1–2 Teelöffeln Öl. Optional kannst du einen Tropfen Spül­mittel oder milde Seife hinzufügen, damit sich Öl und Wasser besser verbinden. Geeignet sind zum Beispiel handels­übliches Rapsöl oder Olivenöl. Auch Neemöl ist ein bewährtes Mittel der natürlichen Schädlings­bekämpfung. Dieses ist im Garten­fach­handel, in Bau­märkten oder online erhältlich und wird meist als Konzentrat angeboten

Die Ölmischung sollte gleichmäßig auf die Pflanze gesprüht werden. Bei richtiger Anwendung bildet sich auf der Pflanze kein dauer­hafter, luft­dichter Film. Da das Öl stark verdünnt ist, verteilt es sich fein und baut sich mit der Zeit wieder ab. Wichtig ist, die Mischung sparsam zu dosieren und nicht in direkter Sonne anzu­wenden, um Blatt­schäden zu vermeiden.

Zusätzliche Maßnahmen 

Neben Hausmitteln und Nützlingen gegen Schädlinge können verschiedene unter­stützende Maß­nahmen eingesetzt werden:

  • Gelbtafeln: Die gelbe Farbe zieht die Insekten an, sodass sie an der klebrigen Oberfläche haften bleiben.
  • Blautafeln: Insbesondere Thripse werden durch die blaue Farbe angezogen und bleiben an der Oberfläche der Blautafeln kleben.
  • Streichhölzer: Werden mit dem Kopf nach unten in die Erde gesteckt, wodurch der enthaltene Schwefel beim Gießen ins Substrat gelangt und dort die Entwicklung von Larven hemmen kann.
  • Zimt: Kann dünn auf die Substratoberfläche gestreut werden undbesitzt eine leicht fungizide und abschreckende Wirkung.
  • Substratabdeckung: Zum Beispiel mit Sand, Quarzsand oder Tongranulat, erschwert Schädlingen wie Trauermücken die Eiablage.

Darüber hinaus gilt sowohl bei akutem Befall als auch präventiv, die Pflanzen regelmäßig zu kontrollieren. Je früher Schädlinge erkannt werden, desto einfacher und schonender lassen sie sich bekämpfen.

Natürliche Schädlingsbekämpfung: Schritt für Schritt

Person untersucht mit Lupe Pflanze auf Schädlinge
  1. Schädlinge identifizieren: Schau dir Blätter, Triebe und das Substrat genau an und bestimme die Art der Schädlinge. Häufig sind zum Beispiel Trauermücken, Thripse oder Blattläuse.
  2. Passende Maßnahmen wählen: Wähle je nach Art der Schädlinge geeignete Maßnahmen, zum Beispiel Nützlinge, Hausmittel oder eine Kombination aus mehreren Methoden.
  3. Natürliche Schädlingsbekämpfung durchführen: Hausmittel gründlich auf die Zimmerpflanze, Nützlinge korrekt ausbringen oder Tafeln aufstellen.
  4. Regelmäßig wiederholen: Kontrolliere deine Pflanze alle paar Tage und wiederhole die Anwendungen nach Bedarf.

Schädlinge natürlich vorbeugen

Zwar lässt sich ein Schädlingsbefall nicht immer vollständig vermeiden, doch mit einigen präventiven Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Grundsätzlich gilt: Gesunde Pflanzen sind weniger anfällig für Schädlinge. 

  • Ein geeigneter Standort: An helleren Standorte lässt sich das Schädlingsrisiko oft deutlich senken.
  • Bedarsgerechtes Gießen: Verhindert Stress und Staunässe, die Schädlinge begünstigen können.
  • Passende Luftfeuchtigkeit: Viele Schädlinge vermehren sich besonders bei trockener Heizungsluft, regelmäßiges Besprühen kann vorbeugend wirken.
  • Pflanzenstärkung: Eine ausgewogene Düngung und natürliche Pflanzenstärkungsmittel machen Pflanzen robuster.

Mit regelmäßiger Kontrolle, der passenden Pflege und gezielten natürlichen Maßnahmen lassen sich Schädlinge frühzeitig erkennen und wirksam eindämmen. Nützlinge, Hausmittel und unterstützende Methoden bieten dabei eine schonende Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln. Wichtig ist, die Maßnahmen konsequent anzuwenden und bei Bedarf zu wiederholen. So bleiben deine Zimmerpflanzen langfristig gesund und widerstandsfähig.