Drei Gläser mit Wasser und Pflanzen vor einer dunkelgrünen Wand

Hydrokultur: So kannst du Pflanzen in Wasser halten

Pflanzen ohne Erde halten

Klassischerweise werden die meisten Zimmerpflanzen in Erde gehalten. Doch es gibt noch weitere Methoden, die überraschend pflegeleicht sind und dabei richtig schön aussehen. Du kannst Pflanzen nämlich auch in Wasser halten. Dabei unterscheidet man zwischen Hydrokultur und Wasserkultur.

Bei der Hydrokultur stehen die Wurzeln statt in Blumenerde in einem mineralischen Substrat wie zum Beispiel Blähton, das Wasser speichert und den Pflanzen Halt gibt. Meist werden dafür spezielle Hydrokulturgefäße mit Wasserreservoir verwendet. Bei der Wasserkultur hingegen stehen die Pflanzen tatsächlich direkt im Wasser, häufig in Glasvasen oder anderen dekorativen Gefäßen. Dabei werden die Wurzeln vollständig vom Wasser umgeben, weshalb das Wasser regelmäßig gewechselt und mit Nährstoffen ergänzt werden sollte. Was genau dahintersteckt und wie die Nährlösung funktioniert, erklären wir im Lexikon-Eintrag zur Hydrokultur.

Lohnt sich die Hydrokultur für dich?

Wenn du darüber nachdenkst, deine Pflanzen in Wasser zu halten, lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Vor- und Nachteile. Besonders bei Zimmerpflanzen kann diese Art der Kultivierung pflegeleicht und optisch ansprechend sein. Dennoch bringt die Haltung in Wasser neben einigen Vorteilen auch gewisse Einschränkungen mit sich.

Vorteile von Hydrokultur

  • Selteneres Gießen: Das Wasser bleibt länger verfügbar als in Erde, sollte jedoch regelmäßig vollständig gewechselt werden.

  • Keine Bodenprobleme: Eine Versauerung, Verdichtung oder „Erstickung“ der Erde tritt nicht auf.

  • Längere Lebensdauer: Bei stabilen Bedingungen können manche Pflanzen sehr gleichmäßig wachsen.

  • Geringere Schädlingsgefahr: Typische Schädlinge wie Trauermücken treten bei Pflanzen im Wasser deutlich seltener auf.

  • Effiziente Nährstoffaufnahme: Wasser und gelöste Nährstoffe stehen den Wurzeln direkt zur Verfügung.

  • Dekorative Optik: Glasgefäße machen Wurzeln und Wasserstand sichtbar und wirken modern und minimalistisch.

Nachteile von Hydrokultur

  • Nicht jede Pflanze eignet sich: Viele Arten sind an Erde angepasst und wachsen in Wasser möglicherweise nur eingeschränkt.

  • Regelmäßiger Wasserwechsel nötig: Ohne frisches Wasser können sich Bakterien oder Fäulnis bilden.

  • Nährstoffe müssen ergänzt werden: Reines Wasser enthält meist nicht genügend Nährstoffe für langfristiges Wachstum.

  • Wurzeln sind empfindlicher: Bei Sauerstoffmangel oder schlechter Wasserqualität können Wurzeln schneller faulen.

  • Algenbildung in Glasgefäßen: Durch Licht können sich Algen im Wasser bilden, was optisch störend sein kann.

Pflanzen auf Hydrokultur umstellen: Schritt für Schritt

Du hast dich entschieden, deine Pflanzen in Wasser zu halten? Dann kann es fast losgehen. Mit der richtigen Vorbereitung gelingt der Umzug von Erde in Wasser ganz entspannt. Wir erklären dir Schritt für Schritt, worauf es dabei ankommt.

Frau hält eine Pflanze mit Erde an den Wurzeln in der Hand

Was wird benötigt?

Für den Start brauchst du nur wenige Dinge, die du meist im Fachhandel oder direkt zusammen mit deiner Pflanze bekommst. Entscheidend ist vor allem das passende Gefäß. Für eine Hydrokultur eignen sich spezielle Hydrokulturtöpfe mit Wasserreservoir. Für eine Wasserkultur reicht eine schöne Vase.

  • Pflanzengefäß oder Glasvase: etwas größer als der bisherige Topf, damit die Wurzeln genug Platz haben
  • Substrat z. B. Blähton: gibt den Wurzeln bei Hydrokultur Halt und speichert Wasser
  • Wasserstandsanzeiger: zeigt dir auf einen Blick, wann deine Pflanze neues Wasser braucht
  • Wasser: am besten in Zimmertemperatur
  • Hydrokultur-Dünger: versorgt deine Pflanze mit Nährstoffen, die sonst aus der Erde kommen

Vorbereitung der Hydrokultur

Wenn du alle Utensilien zur Hand hast, die du benötigst, um deine Pflanze in Hydrokultur einzupflanzen, kannst du loslegen. Ideal für die Umstellung ist das Frühjahr. Dann wächst deine Pflanze kräftig und bildet schneller neue Wurzeln.

  • Blähton vorbereiten: Spüle den Blähton gründlich ab, bis das Wasser klar bleibt. So entfernst du Staub und feine Rückstände. Lass ihn danach einige Stunden in Wasser quellen.
  • Pflanze austopfen: Nimm deine Pflanze behutsam aus ihrem Topf und löse die Erde vorsichtig von den Wurzeln.
  • Erde entfernen: Spüle die Wurzeln unter lauwarmem Wasser gründlich ab, damit keine Erdreste zurückbleiben. Das ist wichtig, um Fäulnis und Verunreinigungen im Wasser zu vermeiden.
  • Wurzeln prüfen: Gesunde Wurzeln sind hell und fest. Braune, matschige oder abgestorbene Stellen schneidest du mit einer sauberen Schere ab.

Hydrokultur einsetzen

Setze die Pflanze anschließend in das neue Gefäß, zum Beispiel in ein Hydrokulturgefäß oder eine Glasvase. Wenn du Blähton verwenden möchtest, fülle das Gefäß zunächst damit auf, sodass die Wurzeln stabil gehalten werden. Platziere auch direkt den Wasserstandsanzeiger. Danach kannst du das Wasser einfüllen. Andernfalls wird das Gefäß nur mit Wasser befüllt. Stelle die Pflanze anschließend an einen hellen Ort, aber am besten ohne direkte, zu starke Mittagssonne. So kann sie sich besser an die neuen Bedingungen gewöhnen.

Nach dem Einpflanzen: Hydrokultur richtig pflegen

Auch Pflanzen in Hydrokultur benötigen regelmäßige Pflege. Kontrolliere den Wasserstand am besten einmal pro Woche. Zeigt der Wasserstandsanzeiger Minimum an, wartest du noch zwei bis drei Tage und füllst dann wieder auf. Wie oft du das Wasser komplett wechseln musst, hängt von der Methode ab. In der Wasserkultur, also im Glas oder in der Vase, solltest du es etwa alle ein bis zwei Wochen erneuern. Bei der Hydrokultur mit Blähton reicht ein kompletter Wasserwechsel alle drei bis sechs Monate. Dabei spülst du den Blähton gleich mit durch, damit sich Düngerreste und Kalkablagerungen lösen. Wird das Wasser trüb oder riecht unangenehm, solltest du es in beiden Fällen sofort erneuern. Da reines Wasser auf Dauer nicht genug Nährstoffe enthält, brauchst du zudem einen geeigneten Hydrokulturdünger. So schaffst du optimale Bedingungen, damit deine Pflanze auch ohne Erde gesund wachsen kann.

Sonderfall: Stecklinge

Wenn du Stecklinge von deiner Pflanze geschnitten oder geschenkt bekommen hast, stehen diese meist schon in Wasser. Wer Pflanzen in Wasser kultivieren möchte, hat es mit Stecklingen deshalb besonders leicht. Ihre Wurzeln sind von Anfang an an Wasser gewöhnt, sodass die Umstellung von Erde komplett entfällt. Sobald die Wurzeln einige Zentimeter lang sind, kannst du den Steckling in seiner Vase lassen oder in ein Gefäß mit Blähton setzen. In der Vase wechselst du das Wasser regelmäßig und gibst ab und zu etwas Hydrokultur-Dünger in niedriger Dosierung dazu. 

Kann man jede Pflanze in Hydrokultur halten?

die anpassungsfähig sind und mit dauerhaft feuchten Wurzeln gut zurechtkommen. Besonders Pflanzen aus tropischen Regionen funktionieren gut. Zum Beispiel:

  • Efeutute
  • Monstera
  • Philodendron
  • Einblatt
  • Grünlilie
  • Drachenbaum
  • Dieffenbachia

Weniger geeignet sind dagegen Pflanzen, die sehr empfindliche Wurzeln haben oder sehr trockene Bedingungen bevorzugen, zum Beispiel viele Kakteen oder Sukkulenten.

Für den Start ist es am besten, wenn du mit robusten Pflanzen beginnst. Verwende nicht zu viel Wasser und achte darauf, die Gefäße sauber zu halten. Mit ein wenig Aufmerksamkeit, der richtigen Pflanze und etwas Pflege kann Hydrokultur so eine einfache und zugleich stilvolle Alternative zur klassischen Pflanzhaltung in Erde sein.

Wichtige Tipps zum Start: Typische Fehler

Hydrokultur ist nicht schwer, und die meisten Probleme lassen sich leicht vermeiden. Deshalb hilft es, die häufigsten Fehler schon vorher zu kennen. Dazu gehören:

  • Zu viel Wasser: Steht der Wasserstand dauerhaft auf Maximum, bekommen die Wurzeln zu wenig Sauerstoff und können faulen. Fülle deshalb erst nach, wenn der Anzeiger einige Tage auf Minimum steht.
  • Erdreste an den Wurzeln: Bleibt beim Umtopfen Erde hängen, zersetzt sie sich im Wasser. Das begünstigt Fäulnis und unangenehme Gerüche. Spüle die Wurzeln daher gründlich ab.
  • Falscher Dünger: Normaler Blumendünger ist für die Hydrokultur oft zu hoch dosiert. Salze lagern sich im Blähton ab und können die Wurzeln schädigen. Greife lieber zu speziellem Hydrokulturdünger.
  • Kaltes Wasser: Frisches Wasser direkt aus der Leitung ist oft zu kalt und stresst die empfindlichen Wurzeln. Lass es vorher auf Zimmertemperatur kommen.
  • Algen im Glas: In durchsichtigen Gefäßen trifft Licht auf das Wasser, und es bilden sich schnell Algen. Ein blickdichter Übertopf oder ein schattiger Platz für das Glas schafft Abhilfe.
  • Zu wenig Geduld: Nach der Umstellung wirft die Pflanze manchmal einzelne Blätter ab. Das ist normal, denn sie muss erst neue Wasserwurzeln bilden. Stelle sie in dieser Zeit nicht um und dünge noch nicht.
  • Ungeeignete Pflanzen: Kakteen und Sukkulenten mögen es trocken und kommen mit dauerhaft feuchten Wurzeln schlecht zurecht.