Was ist Hydrokultur?
Hydrokultur ist eine Methode des Pflanzenanbaus, bei der Pflanzen ihre Nährstoffe statt aus Erde aus einer Nährstofflösung beziehen. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen „hydro“ für Wasser und dem lateinischen „cultura“ für Anbau zusammen. Weltweit wird diese Anbaumethode in ganz unterschiedlichen Maßstäben genutzt, von großen kommerziellen Betrieben bis hin zu Zimmerpflanzen im eigenen Zuhause. Die Vorteile liegen vor allem in der genauen Kontrolle über die Nährstoffzufuhr und der effizienten Nutzung von Wasser. Zudem können Pflanzen in oft Hydrokultur kräftiger wachsen.
Im Alltag werden Hydrokultur und Wasserkultur oft gleichbedeutend verwendet. Genau genommen unterscheiden sich beide Methoden jedoch im Substrat. In der Hydrokultur wachsen die Wurzeln in einem mineralischen Material wie Blähton, Perlit, Vermiculit, Kokosfasern oder Steinwolle. Dieses gibt der Pflanze Halt und speichert Wasser, während die Nährlösung im unteren Teil des Gefäßes steht. In der Wasserkultur kommt die Pflanze ganz ohne Substrat aus. Ihre Wurzeln stehen direkt im Wasser, meist in einer Glasvase. Diese Variante eignet sich besonders für Stecklinge und kleinere Pflanzen.
Vorteile der Hydrokultur
- Effiziente Nutzung von Wasser: Hydrokultur verbraucht bis zu 90 % weniger Wasser als traditioneller Erdanbau, da das Wasser in einem geschlossenen System recycelt wird.
- Kontrolle über Nährstoffe: Die Nährstoffkonzentration kann genau angepasst werden, um das optimale Wachstum der Pflanzen zu fördern.
- Schnelleres Pflanzenwachstum: Durch die ständige Verfügbarkeit von Nährstoffen und Wasser können Pflanzen in Hydrokultursystemen schneller wachsen.
- Platzersparnis: Hydrokultur ermöglicht den Anbau von Pflanzen in vertikalen Systemen, was besonders in städtischen Gebieten von Vorteil ist.
- Reduzierter Schädlings- und Krankheitsbefall: Ohne Erde ist das Risiko von erdbasierten Krankheiten und Schädlingen geringer.
Verschiedene Arten von Hydrokultursystemen
Es gibt mehrere Typen von Hydrokultursystemen, die sich in ihrer Komplexität und Anwendung unterscheiden. Zu den gängigsten Systemen gehören:
1. Nährstoff-Film-Technik (NFT)
In diesem System fließt eine dünne Schicht Nährlösung kontinuierlich über die Wurzeln der Pflanzen, die in einer leicht geneigten Rinne sitzen. Dieses System ist besonders effizient, da die Wurzeln ständig mit Sauerstoff versorgt werden und die Nährstoffaufnahme maximiert wird.
2. Deep Water Culture (DWC)
Bei der DWC-Methode werden die Pflanzenwurzeln direkt in eine tiefe Wasser-Nährstoff-Lösung eingetaucht. Ein Luftstein sorgt für die notwendige Belüftung der Lösung, um die Wurzeln mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Dieses System ist einfach zu betreiben und eignet sich gut für den Anbau von Blattgemüse und Kräutern.
3. Ebbe-Flut-System (Flood and Drain)
In diesem System werden die Pflanzentöpfe regelmäßig mit Nährlösung geflutet und anschließend abgelassen. Dies ermöglicht eine optimale Nährstoffversorgung und Belüftung der Wurzeln. Das Ebbe-Flut-System ist vielseitig und kann für verschiedene Pflanzenarten verwendet werden.
4. Tropfsystem
Hierbei wird die Nährlösung durch ein Tropfrohrsystem direkt zu den Wurzeln der Pflanzen geführt. Das Tropfsystem kann entweder kontinuierlich oder intermittierend betrieben werden und bietet eine präzise Kontrolle über die Nährstoffzufuhr.
Nährstofflösungen in der Hydrokultur
Die Nährlösung ist das Herzstück jeder Hydrokultur. Ohne Erde stammen alle Nährstoffe aus dem Wasser. Eine gute Nährstofflösung für Pflanzen enthält deshalb alle Elemente, die sie zum Wachsen brauchen und ist ist entscheidend für den Erfolg eines Hydrokultursystems. Enthalten sein sollten:
- Makronährstoffe: Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Kalzium (Ca), Magnesium (Mg) und Schwefel (S).
- Mikronährstoffe: Eisen (Fe), Mangan (Mn), Zink (Zn), Kupfer (Cu), Bor (B), Molybdän (Mo) und Chlor (Cl).
Dünger für die Hydrokultur
Die Nährlösung sollte regelmäßig überwacht und angepasst werden, um sicherzustellen, dass die Pflanzen stets die optimalen Bedingungen vorfinden. Flüssiger Hydrokulturdünger wird nach Herstellerangabe ins Gießwasser gegeben und ist meist niedriger dosiert als normaler Blumendünger. Ionenaustauscher-Dünger wirkt dagegen als Langzeitdünger. Er gibt Nährstoffe nach und nach an das Wasser ab und bindet im Gegenzug Salze aus dem Leitungswasser. Normaler Blumendünger eignet sich nur bedingt, weil sich Salze im Substrat ablagern können.
Messwerte der Nährstofflösung
Zwei Messwerte zeigen, ob die Nährlösung für die Hydrokultur passt. Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch die Lösung ist. Die meisten Pflanzen nehmen Nährstoffe bei einem leicht sauren Wert zwischen etwa 5,5 und 6,5 am besten auf. Mit dem EC-Wert wird die elektrische Leitfähigkeit gemessen und damit die Menge gelöster Salze. Ein hoher Wert bedeutet eine stark konzentrierte Nährstofflösung. Pflanzen in aktiven Hydrokultursystemen brauchen deshalb eine regelmäßige Kontrolle beider Werte. Bei Zimmerpflanzen in passiver Hydrokultur genügt es meist, die Dosierung des Düngers einzuhalten und das Substrat gelegentlich durchzuspülen.
Praktische Tipps für die Hydrokultur
- Auswahl des richtigen Systems: Wähle das Hydrokultursystem, das am besten zu den Bedürfnissen deiner Pflanzen und deinem verfügbaren Platz passt.
- Kontrolle der Nährstofflösung: Überprüfe regelmäßig den pH-Wert und die EC-Werte (elektrische Leitfähigkeit) der Nährstofflösung, um sicherzustellen, dass sie innerhalb des optimalen Bereichs liegen.
- Beleuchtung: Pflanzen in Hydrokultursystemen benötigen ausreichend Licht. Nutze künstliche Beleuchtung wie LED-Lampen, wenn natürliches Licht nicht ausreicht.
- Sauerstoffversorgung: Stelle sicher, dass die Wurzeln ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, insbesondere in Deep Water Culture Systemen.
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Halte die Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit auf einem optimalen Niveau, um das Pflanzenwachstum zu fördern.
Hydrokultur bietet eine innovative und effiziente Methode des Pflanzenanbaus, die viele Vorteile gegenüber dem traditionellen Erdanbau bietet. Mit der richtigen Auswahl an Systemen, der sorgfältigen Überwachung der Nährstofflösungen und der Beachtung der Bedürfnisse deiner Pflanzen kannst du erfolgreich gesunde und produktive Pflanzen in einer Hydrokulturumgebung anbauen. In unserem Blogbeitrag zur Hydrokultur erfährst du mehr darüber, wie du deine Zimmerpflanzen langfristig in Wasser halten kannst.

